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Nächtliche Räum- und Streupflicht auf Diskothekengelände

Beim Landgericht Dessau-Roßlau (1 T 70/13) ging es um die Räum- und Streupflicht auf dem Gelände einer Diskothek – kein sehr spannendes, aber eben doch ein interessantes Thema, spätestens wenn man selber stürzt. Noch vor dem Amtsgericht wurde der Verantwortliche – Achtung: Das ist der Grundstückseigentümer! – damit gehört, dass Discothekenbesucher hier weniger schutzwürdig sind – das sah das Landgericht nun aber anders. Jedenfalls wer die Diskothek besucht darf sich auf ein Streuen der Wege und Plätze verlassen:

Diesem Publikum gegenüber waren die Eigentümer und Verpächter des Grundstücks, auf dem der Antragsteller gestürzt war, zur Verkehrssicherung verpflichtet. Demgegenüber kann der Ansicht des Amtsgerichts, wer nachts sein Vergnügen in einer Diskothek suche, müsse gegebenenfalls auch mit „eventuell vorhandenen Gefahren“ wegen fehlender Räumung rechnen und „leben“, nicht gefolgt werden. Diese Sichtweise lässt außer Betracht, dass es sich um einen Publikumsverkehr handelt, der von Eigentümer- bzw. Vermieterseite wie auch von Seiten der mietenden Diskothekenbetreiber gewollt und eröffnet ist. Der vom Amtsgericht angestellte Vergleich mit dem Nutzer eines öffentlichen Gehweges, der tief in der Nacht auf selbigen stürzt, verkennt diesen Gesichtspunkt. Auch ist die Sorge des Amtsgerichts, die Bejahung einer Räum- und Streupflicht auf dem Grundstück der Antragsgegner könnte die Bejahung von Räum- und Streupflichten auch der Anlieger öffentlicher Straßen, die auf dem Weg zur Diskothek liegen, nach sich ziehen, offensichtlich unbegründet.

Fazit: Es spielt keine Rolle, ob man Nachts unterwegs ist oder schlicht „sein Vergnügen sucht“ – eine Reduzierung der Verkehrssicherungspflicht ist deswegen nicht zu erkennen. Die Entscheidung des Landgerichts ist korrekt und sollte entsprechend beachtet werden.